Rezension Das Facebook-Buch: Facebook ins Gesicht sehen

23. Mai 2011 | Von | Kategorie: Rezensionen

Das Facebook-Buch von Annette Schwindt (2. Auflage im O'Reilly-Verlag)Als ich vor einem Jahr das erste Facebook-Buch von Annette Schwindt kaufte, ging es mir wohl wie einem Alkoholiker, der seine Whisky-Flasche verschämt in der braunen Papiertüte verstaut. Warum soll jemand, der sich den ganzen Tag in Facebook bewegt und das Social Network auch professionell nutzt, dazu noch eine Anleitung kaufen? Ganz einfach darum, weil sich unheimlich viel verändert und es gut tut, sich in Ruhe eine Orientierung zu verschaffen. Und so habe ich auch die Erscheinung der 2. Auflage von Das Facebook-Buch genutzt, um meinen Wissensstand zu aktualisieren und meine Facebook-Präsenzen auf Vordermann zu bringen.

Das Facebook-Buch ist für Einsteiger gleichermassen gedacht wie für Fortgeschrittene, und zwar auch solche, die dieses Soziale Netzwerk auch professionell nutzen. Es leitet Schritt für Schritt durch die wichtigen Fragen, ist aber so aufgebaut, dass der Leser direkt bei dem Thema einsteigen kann, das ihm auf den Nägeln brennt. Der Vergleich der Inhaltsverzeichnisse der beiden Auflagen zeigt, dass sich insbesondere in den Bereichen Gruppen und Seiten, aber auch in der Nicht-öffentlichen Kommunikation einiges geändert hat. Die neue Auflage bringt den Leser also auf einen aktuellen Stand. Das Buch hat mir einige Aha-Erlebnisse beschert oder verschüttetes Wissen wieder freigelegt:

  • Anwendungen: Sie beanspruchen meist mehr Zugriffsberechtigungen, wie absolut nötig. Nicht mehr verwendete Anwendungen sollten ausgemistet und bei den anderen die Zugriffsberechtigungen hinterfragt und angepasst werden.
  • Umgehende Personalisierung: Was in USA schon eingeführt ist, ist bei uns noch Zukunftsmusik; wer sich aber das Video dazu anschaut versteht den Rat von Annette Schwindt, das Thema im Auge zu behalten.
  • Benutzerdefinierte Einstellungen mit Freundeslisten: Hier können für jeden Bereich explizit Listen ein- oder ausgeschlossen werden. Die Segmentierung der Freunde in Listen macht aus dieser Perspektive sehr viel Sinn.
  • @mention: das Social Web lebt von der Vernetzung und innerhalb von Facebook ist das nicht anders. Die Autorin zeigt, wie man nicht nur Personen, sondern eben auch Postings und Seiten verlinkt.
  • Wo landen die Postings? Diese Frage könnten wohl die wenigsten auf Anhieb richtig beantworten, gut dass man die entsprechende Auskunft im Buch findet. Noch besser, dass Facebook dank diesem Wissen noch gezielter genutzt werden kann.
  • Edge Rank: Es ist nicht immer einfach, den Rank mit dieser neuen Berechnungsweise zu finden. Facebook hat für die Beliebtheit von Beiträgen eine Formel erarbeitet, diese steuert auch, welche Beiträge von Seiten im Newsfeed der User angezeigt werden. Die Formel ist zwar geheim, aber zumindest die Elemente, die ihr zugrunde liegen, sollte man auch als Seitenadministrator kennen.
  • Anwendungen verbannen: Es gibt Onliner, die ihren ganzen Twitterstream über Facebook laufen lassen, was ganz schön nervig sein kann. Dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten muss, indem man diesen Kontakt blockt, zeigt das Buch, denn es lassen sich auch einfach nur Anwendungen (Twitter, Networked Blogs u.a.) aus dem Stream verbannen.
  • Anwendungen integrieren: Dennoch kann es Sinn machen, gewisse Dienste wie YouTube, Flickr oder Posterous einzubinden und Facebook als „Web im Web“ zu nutzen. Die Anleitung hierzu steht auf Seite 137.
  • Ordnung im Postfach: Meine heutige Antwort auf eine Anfrage von Anfang Mai fiel, ich gebe es zu, etwas verlegen aus. Während man bei den Benachrichtigungen eine Meldung und Anzeige bekommt, ist dies beim Unterordner „Sonstiges“ nicht der Fall. Keine schlechte Idee, dort hin und wieder vorbeizuschauen. Was alles in diesem Ordner landet, beschreibt Annette Schwindt im Buch.
  • FBML ist tot, es lebe iframe: Wie man den Tabs zur individuellen Gestaltung von Fanseiten Leben einhaucht, ist im Detail beschrieben.

Natürlich fehlen auch neue Themen und Nischenthemen nicht: Verwaltung von SPAM bei Fanseiten, der identitiy switch (Wechsel zwischen Profil und Fanseite), das Posting von Audiobeiträgen, das richtige Kommentieren, die Optimierung von Websites/Blogs zum Weitersagen und der Umgang mit Facebook Places.

Das Credo unseres Buches PR im Social Web (Affiliate Link zu Amazon) lautet, dass wir nicht auf Tools aufbauen, sondern auf das, was sich in der Kommunikation ändert. Und wir betonen, wie wichtig es ist, die PR im Social Web nicht blind über Facebook zu starten, sondern auf eine solide Konzeption abzustützen. Dennoch ist der Appell, insbesondere an Profis, sich mit Facebook fundiert auseinanderzusetzen, kein Widerspruch, denn an dieser Plattform, die sich in den DACH-Ländern entwickelt und weltweit demnächst 700 Mio. Fans zählt kommt man zur Zeit in der Online-Kommunikation nicht vorbei.

Es gibt zum Thema zahlreiche spezialisierte Seiten, für mich hat es sich jedoch bewährt, mir ein paar Stunden Zeit zu nehmen und mir in aller Ruhe, systematisch angeleitet, ein Bild über den Status quo von Facebook und seine vielfältigen Möglichkeiten zu verschaffen. Das Querformat des Buches bewährt sich, dadurch profitieren sind insbesondere die Screenshots von einer gute Auflösung. Der Leser wird nicht mit Text erschlagen und das was er liest, kommt locker, leichtfüssig und schon fast freundschaftlich daher. Ich fühle mich in diesem Buch sehr gut aufgehoben. Es ist Teil meiner Arbeitsplatzbibliothek und steht gleich neben all meinen wichtigen Nachschlagewerken. Ich empfehle es gerne weiter.

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