Calgary Zoo: Der papierlose Jahresbericht auf Instagram

29. April 2013 | Von | Kategorie: Aus der Praxis

Calgary Zoo 2013-04-29 08.28.06Jahresberichte sind eine Qual und zwar im ganzen Life-Cycle. Erst machen sie ein ganzes Unternehmen verrückt und bringen Kommunikationsleute an ihre nervlichen Grenzen: Inhalte recherchieren, Texte schreiben, an Texten arbeiten und feilen Etage rauf und Etage runter, in letzter Sekunde zur Produktion geben. Drucken. Verteilen. Fertig. Schluss. Was herauskommt wird – mit hervorstechenden Ausnahmen wie der Gschäftsbricht 2012 der Swatch Group - meist kaum mehr richtig gewürdigt. Schon während meiner Ausbildung war es ein Thema, den nüchternen Zahlenteil gemäss Vorschriften aufzubereiten und den Imageteil so zu gestalten, dass er auch über den Investorenkreis hinaus noch ein Publikum findet.

Und so hat das auch Kanadas meistbesuchter Zoo in Calgary angepackt. 2012 zählte der Tierpark fast 1.457 Mio. Besucher und täglich wurden unzählige Fotos gemacht … und geteilt. So kam auf Instagram ein stattlicher Feed mit dem Hasthag #calgaryzoo zustande. “Fish were the Fishes are”, sagten sich die Tierkenner und gingen mit ihrem Jahresbericht genau da hin, wo auch die Zielgruppe war: Auf Instagram. “We presented the idea to our brave clients“, schreibt dazu die Agentur in ihrem Blog und mutig waren sie. Vor fünf  Tagen haben sie auf Instagram in einem extra für den Jahresbericht eröffneten Profil CalgaryZoo2012AR den Jahresbericht publiziert. 55 Bilder geben aus den verschiedenen Bereichen des Zoos Auskunft, von der “Message from the President” bis runter zur “Financial Condition”.

Konkret wurde das vorhandene Bildmaterial an die Masse von Instagram angepasst. Und auch die Texte mussten den Anforderungen an die Kommentare auf dem Bilder-Sharing-Dienst genügen. Das bedeutete, dass die Texte ohne Aufzählung, fette oder kursive Auszeichnung oder Unterstreichung auskommen mussten. Ergo: kurz, knackig, zum Punkt. Für bildorientierte Menschen auf Instagram sind jedoch selbst diese Texthappen teilweise noch eher lang. Als optischen  “Trenner” hat man sich damit beholfen, den Kommentar aufs mehreren Beiträgen zusammenzusetzen, so wird jeder neue Abschnitt mit dem Accountnamen neu eingeführt.

Ein Spagat war der Zahlenteil, so ist das Balance Sheet nicht zu entziffern (es sei denn man sieht es sich im Browser an). Dazu sagt aber der Kommentar, dass es sich hier um einen Auszug handelt, angegeben wird ein Link und eine Telefonnummer, wo detaillierterte Informationen bezogen werden können.

Dass die Verantwortlichen bei der Aufbereitung auch Humor bewiesen, zeigt das dritte Bild in der Serie mit einer Gruppe Flamingos – hier folgt die Aufzählung des Board of Trustees.

Bisher ist die Interaktion noch marginal, einige Bilder wurden mit einem Herz “geliked”, Kommentare fehlen noch weitgehend, immerhin haben 172 Personen den Account abonniert. Eine Flut von Kommentaren würde das Projekt bezüglich Lesbarkeit übrigens auch eher stören.

Ich finde den Ansatz spannend, auch wenn diese Form von Publikation nur für eine Handvoll Unternehmen in Frage kommt.

 

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