10 Fakten zur Nutzung von Social Media durch Schweizer Journalisten

Wie nutzen Schweizer Journalisten Social Media für ihre Praxis? Dazu wurden kürzlich gleich zwei Studien veröffentlicht. Die IAM-Bernet-Studie zu Journalisten im Web 2015 (IAM-Bernet) gibt Einblick in den Social-Media-Alltag von 17 Schweizer Journalisten, die zu ihrer Zeitungen Beige 0216 Journalisten auf Social MediaPraxis interviewt wurden. Das IPMZ Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich untersuchte mit der Online-Befragung von Schweizer JournalistInnen ihre politischen Twitter-Nutzung (IPMZ). Angefragt wurden 329 Journalisten, 143 haben geantwortet, was einer Rücklaufquote von 43% entspricht.

Die Ergebnisse ergeben ein konsistentes Bild, ich habe sie in zehn Punkten aus beiden Studien zusammengetragen:

  1. Journalisten verfolgen grundsätzlich zwei Strategien: Entweder sie tragen zu einem redaktionellen Angebot bei und sind Teil der Marke. Oder sie bauen parallel zu ihrem Medium die neue Marke des Ich-Journalisten auf. Dies gelingt ihnen dann, wenn sie individuelle Haltungen und Meinungen vertreten und auf diese Weise Dialog-Potenzial schaffen (IAM-Bernet).
  2. Medienschaffende nutzen Social Media als Inspirationsquelle, die meisten Befragten halten sich jedoch mit eigenen Beiträgen zurück (IAM-Bernet). Neben neuen Ideen für Stories wollen Journalisten laufenden Diskussionen folgen und Networking betreiben (IPMZ).
  3. Journalisten sprechen gut an auf kurze und relevante Meldungen, insbesondere ihre starke Nutzung von Twitter ist Grund genug für den Einsatz im Rahmen der Online-Medienarbeit. Konkret umgesetzt bedeutet das, dass Medienunterlagen auch mit Kurzaussagen in Tweet-Länge, Links zu Bild- und Videomaterial und # Hashtags ausgestattet sein sollten. Bei der Verbreitung mit einzubeziehen sind auch Business-Netzwerke wie Xing und LinkedIn (IAM-Bernet).
  4. Twitter wird von Medienschaffenden geschätzt weil sich hier Communities um bestimmte Themen bilden. Journalisten erhalten so Zugang zu unzähligen halbprivaten Konversationen. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, dass aus dem Social-Media-Dialog mit dem Publikum schon Folgegeschichten entstanden sind (IAM-Bernet). Tweets von Politikern dienen vor allem als Anlass für eine Story, seltener genutzt werden sie als Quelle für Zitate, für die Überprüfung von Informationen oder als Hinweis auf politische Veranstaltungen. Politische Tweets werden dann verwendet, wenn die darin enthaltenen Informationen neu und hochaktuell sind, zu einer Story passen oder eine Insider-Perspektive darauf bieten, das politisch gerade abläuft (IPMZ).
  5. Ein weiteres Argument für Twitter ist die Schnelligkeit, nach Ansicht mehrerer der befragten Journalisten sind News zuerst auf Twitter auffindbar. Die Qualität einer Plattform, und damit der Meldungen, hängt alleine von der Anzahl und vor allem der Qualität der Kontakte im eigenen Netzwerk ab (IAM-Bernet). Zwar sind Kontakte zu Lesern/Zuschauern wichtig, noch wichtiger ist aber der Zugang zu anderen Journalisten (IPMZ).
  6. Social Media sind besonders hilfreich bei der Recherche: „Der Weg zu Experten ist kürzer geworden.“ Den Austausch mit Betroffenen oder Experten setzen dann aber die meisten Befragten auf E-Mail oder in einem persönlichen Gespräch fort (IAM-Bernet).
  7. Die Aufgabe der Journalisten verschiebt sich weg vom Überbringen von aktuellen Informationen hin zum Überprüfen von Gerüchten und News-Meldungen in den Social Media (IAM-Bernet).
  8. Die meisten Medien haben zwar Richtlinien für den Umgang im Social Web und das ist den Journalisten auch bekannt, die wenigsten der Befragten geben jedoch an, diese zu kennen. Sie lassen sich lieber vom gesunden Menschenverstand leiten (IAM-Bernet).
  9. Für die Publikation von Inhalten gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Typen der Organisation: Entweder kümmert sich eine spezialisierte Abteilung, z.B. die Online-Redaktion, oder das Publizieren auf Social Media ist den Redaktionsmitgliedern frei überlassen (IAM-Bernet).
  10. Einige der befragten Journalisten stehen den sozialen Medien skeptisch gegenüber und nutzen sie teils gar nicht (IAM-Bernet). Journalistinnen im Politik-Ressort nutzen Twitter häufiger als andere. Je mehr Journalisten beruflich mit Verwaltungs- und Aussendarstellungs-Aufgaben betraut sind, desto häufiger nutzen sie Twitter. (IPMZ).

Die beiden Studien zeigen eine Entwicklung bei der auch Medienschaffende ihre Rolle im vormedialen Raum übernehmen und sich unter Umständen auch als Ich-Journalist positionieren. Strategische Kommunikation muss mit einbeziehen, dass sich die klassische Medienarbeit gewandelt hat. Neben den professionell geführten Online-Pressebereichen gilt es auch neue Wege in der Beziehungspflege zu beschreiten.

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