Mit Film bewegen: Praxistipps zum professionellen Vodcast

Zum fünften Mal hat die Oltner Webagentur MySign einen Experten-Talk veröffentlicht. Ich war zu Gast bei Mike Müller und wir unterhielten uns über die Veränderungen in der PR durch die neuen Medien. Mit ihrer Vodcast-Serie (abgeleitet aus Video & Podcast), setzt MySign auf den Trend zum Bewegtbild. Kein anderes Medium lässt es zu, innert kurzer Zeit Information, Unterhaltung und Emotionen weiter zu geben und imagebildend zu wirken. Und YouTube ermöglicht es, Filmbeiträge quasi in bester Passantenlage ins Schaufenster zu stellen.

Bereits zahlreiche Unternehmen machen mit Videos und eigenem Channel auf YouTube auf ihre Anliegen aufmerksam: WWF Schweiz, der Getränkeabfüller Krones mit eigenem TV, Swisscom, die Fidor Bank, die renommierte Mayo Clinic aber auch Exponenten wie Mirko Kaminski von Achtung! kommunizieren mit dem Mittel Film. Meinen Co-Autor Tapio Liller habe ich über das Social Web kennengelernt, den Ausschlag, ihn als Schreibpartner für PR im Social Web anzufragen gaben schliesslich verschiedene Videosequenzen, die ich von ihm im Web gesehen habe.

Vor nicht allzu langer Zeit schaffte es das Medium Film wegen seiner aufwändigen Produktionsweise und der hohen Kosten kaum je in den Kommunikationsmix. Flipcam und Smartphones dürften mitverantwortlich dafür sein, dass auf YouTube „die Post abgeht“, wie die Statistiken zeigen. Für Unternehmen ist aber auch bei den Filmen im Social Web die Experimentierphase vorbei. Organisationen, die sich über dieses Medium profilieren wollen, müssen eine minimale Qualität bringen: klare Bilder, eine saubere Kameraführung und die passende Beleuchtung sind die wesentlichen technischen Anforderungen. Der Talk mit Mike Müller wurde von Vjii Productions produziert: Zwei Filmprofis, zwei Kameras, zwei Lampen schnell auf- und abgebaut und fertig. Vjii deckt im Abo Ereignisse mit hohem News-Charakter, kleinere Unternehmensportraits oder

Reportagen mit starkem Image ab. Schlank, flexibel und schnell heisst hier die Devise, passend zum Realtime Web.

Die Aufzeichnung brachte mich auf die Idee, meine Erfahrungen in diesem Blog als Tipps weiter zu geben:

Tipps für Interviewer

  • Nehmen Sie Ihre Rolle als Gastgeber ernst: Begrüssen Sie Ihre(n) Gesprächspartner mit einem Kaffee oder einer Erfrischung.
  • Reservieren Sie etwas Zeit für ein unverbindliches Gespräch um die Stimmung zu lockern.
  • Das Thema haben Sie bereits im Vorfeld umrissen, verzichten Sie darauf, kurz vor dem Gespräch die Fragen im Detail durchzugehen, die Antworten sollen spontan und nicht einstudiert erfolgen.
  • Stellen Sie Ihrem Gast das Videoteam vor und erklären Sie ihm grob den Ablauf der Aufzeichnung. Weisen Sie ihn darauf hin, dass Sie sicherstellen, dass die Länge eingehalten wird und dass Sie sich erlauben werden, wo nötig zu unterbrechen.
  • Bestimmen Sie die Länge des Videos im Vorfeld mit dem Filmteam, richten Sie sich dafür auch nach dem Zweck des Beitrags aus.
  • Sagen Sie Ihrem Gesprächspartner, wie lange das fertige Video sein wird und ob vorgesehen ist, den Film zu schneiden (unsere Aufzeichnung war im ersten Durchlauf im Kasten, die Tonspur blieb unverändert, zusammengeschnitten wurden lediglich die verschiedenen Einstellungen).
  • Stellen Sie einfache Fragen: Ein Gedanke pro Frage reicht.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Gegenüber nicht ausschweift und scheuen Sie sich nicht, zu unterbrechen. Haken Sie auch nach wenn Sie denken, dass ein Fachbegriff erklärungsbedürftig ist indem Sie nach der Bedeutung fragen oder selber präzisierend eingreifen.

Tipps für Interviewte

  • Fragen Sie bereits bei der Terminvereinbarung, was von Ihnen erwartet wird. Überlegen Sie sich zum Thema anschauliche Beispiele.
  • Verzichten Sie bei Ihrer Kleidung auf auffällige Farben und kleinkarierte Muster (Moirée-Effekt). Tragen Sie Kleider, in denen Sie sich wohl fühlen. Falls Sie ein Jacket tragen, setzen Sie sich auf den unteren Rand, um die Bildung eine Buckels zu vermeiden.
  • Nehmen Sie sich vor der Aufnahme Zeit für den Gang auf die Toilette und den Blick in den Spiegel. Ein professionell arbeitendes Team wird Glanzstellen in Ihrem Gesicht mit Puder beseitigen.
  • Stellen Sie Ihre Fragen vor Beginn der Aufzeichnung. Klären Sie insbesondere nochmals, wer mit dem Video angesprochen werden soll.
  • Geben Sie kurze Antworten, die ideale Antwort übersteigt 20 Sekunden nicht, das entspricht in etwa drei bis fünf Sätzen.
  • Verzichten Sie – wenn sich der Film nicht an ein spezialisiertes Publikum richtet, auf Fachausdrücke. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, erklären Sie diese knapp.
  • Werfen Sie auch nicht mit Zahlen um sich und wenn sich das nicht vermeiden lässt, dann arbeiten Sie mit Vergleichen, z.B. das Areal umfasst gut 35‘000 m2, das entspricht in etwa fünf Fussballfeldern.

Diesen Anregungen fügt Patrick Kappeler von Viji noch Folgendes hinzu:

  • Nehmen Sie eine entspannte Körperhaltung ein.
  • Antworten Sie auf Fragen einfach, natürlich und direkt. Wenn Sie unsicher sind, wiederholen sie einfach die Frage – das gibt Ihnen Zeit nachzudenken.
  • Lassen Sie den Zuschauer Ihr Commitment und Ihr Engagement spüren. Wenn Sie nicht gerne mit Menschen reden, oder von einer Sache nicht überzeugt sind sollten Sie auf keinen Fall vor eine Kamera stehen.
  • Denken Sie daran: ein Punkt ist ein Punkt. Setzen Sie am Ende Ihrer Antwort nicht nochmals mit einer neuen Erklärung an.
  • Braucht es eine Vorerklärung zum besseren Verständnis eines Sachverhaltes, dann sagen Sie dies auch: „zum besseren Verständnis müsste ich hier schnell ausholen…“.
  • Getrauen Sie sich auch mal eine Frage zu bewerten: „Das ist eine gute Frage, weil…“, oder „das ist richtig, denn…“, Sie schaffen damit für den Zuschauer Relevanz.
  • Sie dürfen auch mal zugeben wenn Sie etwas nicht wissen, respektive sich erst schlau machen müssten.
  • Achten Sie unbedingt auf Ihre Körpersprache. Vermeiden Sie nervöses wippen, Arme verschränken, zurück lehnen und andere Zeichen, die Ihre Nervosität oder Ihre Ablehnung deutlich machen.
  • Wichtig: haben Sie einfach Spass!

Natürlich kann sich niemand alle diese Anregungen auf einmal im Kopf halten. Verwenden Sie sie, um sich wichtige Dinge ins Bewusstsein zu rufen. Noch wichtiger: Schauen Sie sich immer wieder Videocasts an und überlegen Sie, was gut auf Sie wirkt, was Sie weniger gelungen finden und warum.

Vermarktung des Vodcast nicht vergessen

MySign veröffentlicht ihre Beiträge in YouTube und vermarktet sie crossmedial via BlogFacebook, Twitter  und Google+. Ein Video kann erst dann eine Resonanz erzeugen, wenn es auch gefunden wird und geteilt werden kann. Diese Chance vergeben sich beispielsweise die Zürcher Verkehrsbetreibe VBZ. Ihre wirklich schönen Video-Beiträgen zu „Arbeiten bei der VBZ“ „sperren sie auf ihrer Website ein“. YouTube Videos lassen sich sehr einfach in eine Seite einbetten (embed), der entsprechende HTML-Schnipsel wird von YouTube genieriert, so wie zum Beispiel hier:

Stellen Sie Ihren Beitrag also quasi in bester Passantenlage ins Schaufenster von YouTube oder einem der zahlreichen Videoportale, das zu Ihnen passt. Versehen Sie ihn mit einer knappen und aussagekräftigen Beschreibung des Inhalts, einer breiten, aber passenden Auswahl von Tags und Zusatzinformationen. So kann er von Onlinern über die entsprechenden Stichworte nach ihren Interessen gefunden, kommentiert und geteilt werden. Und wenn in der Beschreibung auf Ihr Link steht, findet der Zuschauer auch den Weg zu Ihrer Website, denn es führen nicht nur viele Wege nach Rom sondern auch ebenso viele zu Ihrem Unternehmen.

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