ARD/ZDF Onlinestudie 2013: Nutzungsdauer steigt. Twitter legt zu. Apps im Defizit.

In der ARD/ZDF Onlinestudie 2013 wurden zwischen März und April 1’800 Menschen ab 14 Jahren telefonisch zu ihrem Nutzungsverhalten im Web und in Social Media befragt. Der Befund? Die Zunahme der Onliner gegenüber dem Vorjahr ist marginal (+1.3%), die Nutzungsdauer hingegen ist explodiert. Treiber dafür sind insbesondere mobile Geräte, wobei Apps eher zurückhaltend genutzt werden. Twitter ist bei den Jugendlichen im Vormarsch, trotz aller sozialen und Online-Medien behauptet sich Fernsehen im Medienkonsum, folgern ARD und ZDF.

Ich habe die diesjährige Studie gelesen und für meine Leser, zum besseren Verständnis, einige Zahlen auch als Diagramme aufgearbeitet.

Online-Nutzung und Verweildauer

Bei der Online-Nutzung  zeigen die 14-29jährigen die höchsten Werte (Grafik 1) und auch bereits eine Sättigung, Rentner

und nicht berufstätige Menschen legen zu und haben 50% bereits erreicht (Grafik 2). Bei der Verweildauer führt ebenfalls die jüngste Gruppe an, die Tendenz für alle anderen ist steigend (Grafik 3), die Männer weisen übrigens durchs Band eine intensivere Nutzung auf als Frauen (Grafik 4).

Und was tun die Deutschen online bevorzugt und dies mindestens einmal pro Woche? Am meisten, und auch mit einer täglichen Nutzung genannt wurden:

  1. Suchmaschinen nutzen. Ausnahme bilden die über 70jährigen, bei ihnen stehen die E-Mails an erster und Suchmaschinen an zweiter Stelle.
  2. Senden/empfangen von E-Mails.
  3. Zielgerichtet bestimmte Angebote/Informationen suchen. Bei den 14-29jährigen ist dieser Wert gleich gross wie Suchmaschinen nutzen. Vermutlich war auch die Abgrenzung zwischen beiden Nutzungsarten für die Befragten zu wenig klar.

Interessant sind dann die Leistungen die, gemessen nach Nutzungsfrequenz, zwar nur gelegentlich, aber doch von immerhin 50% und mehr der Befragten in Anspruch genommen werden:

  • andere Waren bestellen/Onlineshopping
  • Kartenfunktionen nutzen
  • einfach so im Internet surfen
  • Videoportale nutzen
  • Herunterladen von Dateien
  • Buch- und CD-Bestellungen
  • Homebanking

Da ist noch Luft nach oben wenn man davon ausgeht, dass der Appetit beim Essen kommt.

Zugänge zum Internet und mobile Geräte

Welche Mittel nutzen die Onliner für den Zugang zum Internet? Die Mehrheit steigt über den Computer beziehungsweise PC/Laptop ein (Grafik 5). Nimmt man die grosse Gruppe auseinander so fällt, wenig überraschend, auf, dass 14-29jährige eher zum Einstieg über den Laptop neigen, die älteren Altersgruppen eher via Computer oder PC online gehen. Der Geschlechterunterschied spielt beim Computer/PC Laptop keine Rolle, Männer nutzen aber weitere Möglichkeiten stärker wie Smartphone, Spielkonsole und Fernsehen.

Der Blick auf die mobilen Geräte (Grafik 6) ergibt ein anderes Bild, als man es auf der Strasse gemeinhin beobachten mag. Zwar besitzt jeder vierte Jugendliche ein iPhone, 50% greifen aber auch auf andere Systeme zurück. Beim Tablet nutzen im Durchschnitt 8% ein iPad, 5.5% benutzen einen anderen Tablet PC. Während Männer (17%) und Frauen (18%) das iPhone fast ausgeglichen nutzen, klafft bei anderen Smartphones eine grössere Lücke: 35% Männer aber nur 26% Frauen nutzen eine Apple-Alternative.

Mobile Nutzung und Apps

ARD ZDF 2013 mobile Nutzung in Prozent nach AlterMobile Geräte sind nicht gleichzusetzen mit mobiler Nutzung. Smartphones werden ja zunehmend als Second Screen zum TV genutzt. Die mobile Nutzung hat über die vergangen fünf Jahre dramatisch zugenommen, was nicht zuletzt tarifliche Hintergründe haben dürfte. Inzwischen ist die mobile Nutzung auch bei den über 50jährigen (+12% zum Vorjahr) und über 60jährigen (+5% zum Vorjahr) angekommen. Apps zu nutzen ist nicht jedermanns Sache. 56% aller Befragten geben an, überhaupt keine Apps zu nutzen. Viel genutzt werden sie bei den 14-29jährigen (70%), bei den 30-49jährigen nutzt eine Minderheit (46%) Apps, praktisch keine Rolle spielen sie bei den 50-69jährigen (76%) respektive ab 70 Jahren (88%).

Wenn dann Apps auf dem Smartphone genutzt werden, dann für

  1. Instant Messaging: 37%
  2. Communities/soziale Netzwerke: 27%
  3. Nachrichten/Aktuelles: 26%

Auf dem Tablet liegt der Nutzungsschwerpunkt anders:

  1. Nachrichten/Aktuelles: 20%
  2. Communities/soziale Netzwerke: 13%
  3. Spiele-Apps: 11%

Während auf dem Smartphone zusätzlich Sport konsumiert wird (6%) kommen auf dem Tablet auch Banking-Apps/Onlinebanking (4%) und Bücher-Apps/E-Book-Reader (3%) zur Anwendung. Für die Nutzung unterwegs steht bei allen Altersgruppen die Kommunikation auf Rang eins. Männer nutzen dann in zweiter Prio eher E-Mail (43%)und Frauen Facebook (50%).

Multimedianutzung: Video und Audio

Video und Audio sind wichtig und die Studie zeigt auch, wie online die Multimedianutzung verteilt ist.

Wenn Jugendliche von 14-29 Jahren online gehen, dann nutzen sie Videoportale (83%) oder schauen zeitversetzt fern (23%) (Grafik 7). Für’s Ohr holt sich diese Gruppe Musik- (46%) und andere Audiodateien (14%) (Grafik 8). Ab der Altersgruppe 40+ bricht der Konsum sowohl von Video wie auch Audio ein.

 

Social Media: von Wikipedia bis Twitter

Die Nutzung von Web 2.0-Anwendungen  hängt einerseits vom Alter (Grafik 9 und 10) und anderseits vom Verwendungszweck ab (Grafik 11 und 12). Wikipedia erfreut sich bei allen Altersgruppen ungebrochener Beliebtheit. Während private Netzwerke primär von Jungen genutzt werden, tummeln sich in Fotosammlungen/Communities die 20-39jährigen und in beruflichen Netzwerken die 20-49jährige. Weblogs vermögen Leser in allen Alterskategorien anzuziehen, gar 5% der über 70järhigen geben an, Blogs zu lesen, während sie mit Twitter offenbar „nichts am Hut haben“ (0%).

Stark gewachsen ist die Nutzung von Twitter, wie aus der Zusammenfassung der Studie hervorgeht: „Mit insgesamt 3,89 Millionen Nutzern ab 14 Jahren – dies ist ein Zuwachs um 87 Prozent gegenüber 2012 – weist der Dienst zwar deutlich weniger Nutzer auf als Facebook, aber mehr als jede weitere Community. Insgesamt haben 7 Prozent der Onliner ab 14 Jahren ein Profil bei Twitter, auch hier eher Jüngere (14-29jährige: 14%). Nur knapp ein Drittel der Twitternutzer setzt allerdings selbst Tweets ab, der überwiegende Teil der Nutzerschaft bleibt passiv.“

ARD ZDF 2013 Durchschnittliche Nutzungsdauer der MedienWährend sich die Frauen bei den privaten Netzwerken bis 2010 nutzungsmässig auf der Überholspur befanden hat sich ihre Kurve verflacht und 2013 mit den Männer angeglichen, beide Gruppen nutzen dieses Jahr zu 46% private Communities.

Leider wurde das Sample für die Nutzung beruflicher Communities auf drei Gruppen reduziert, was einen Vergleich zu den privaten Netzwerken (Grafik 11) mit fünf Gruppen verunmöglicht. Die Kurven in Grafik 12 zeigen aber eindrücklich ein gespaltenes Verhältnis zu Business-Netzwerken bis 2011. Für viele sind Xing und LinkedIn Einstiegs-Pforten zu den sozialen Medien und diese werden erst seit zwei Jahren intensiver genutzt. Der Vergleich zwischen Männern und Frauen zeigt ein absolut paralleles Verhalten, wenn auch Männer in der Nutzung im Durchschnitt 3 Prozentpunkte höher liegen.

Schaut man dann ganz zum Schluss auf die durchschnittliche Nutzungsdauer verschiedener Medien wird deutlich: Klarer Sieger bei der Generation 30+ ist das Fernsehen, gefolgt vom Hörfunk.

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