Werkstattbericht zum Relaunch des BKW-Newsrooms: Themensteuerung, Rollen und Prozesse

Der Corporate Newsroom der BKW ist kein neues Projekt. Seit Herbst 2018 existiert er als Raum und mit Fokus auf das Tagesgeschäft. Was lange gefehlt hat, ist ein gemeinsames Verständnis dafür, wie strategische Kommunikation im Alltag mit dem Newsroom-Modell funktioniert. Mit dem Relaunch im Jahr 2025 hat sich das grundlegend geändert. Seit dem 1. Januar 2026 ist ein neues Operating Model in Betrieb. Dieser Beitrag zeigt, was den Relaunch ausgelöst hat und wie die drei zentralen Aspekte Themen, Rollen und Prozesse umgesetzt wurden. 

Die Einblicke für diesen Werkstattbericht basieren auf einem Interview mit Michael Blum, der heute als Verantwortlicher Newsroom und Channel-Manager bei der BKW AG tätig ist.

BKW Newsroom: Vom Raum zur Denkhaltung

Teamwork im BKW-Newsroom vor Ort und mit Remote-Teilnahme

In den vergangenen zehn Jahren hat sich BKW massiv verändert. Aus einem regionalen Energieversorger ist ein multinationaler Konzern mit über 12’000 Mitarbeitenden in 140 Unternehmen entstanden, der in den Geschäftsfeldern Energy Solutions, Power Grid sowie Infrastructure & Buildings aktiv ist. Diese Transformation machte auch eine Neuausrichtung der Kommunikation notwendig.

Drei zentrale Treiber führten zum Newsroom-Relaunch:

Fehlende Dokumentation: Das Onboarding neuer Teammitglieder erfolgte uneinheitlich, Prozesse und Rollen waren kaum niedergeschrieben. „Bisher war wenig dokumentiert“, erklärt Michael Blum. Die Lösung: ein Newsroom-Wiki mit Rollen- und Prozessbeschreibungen sowie einem Themenmanagement in Notion. Notion ist ein KI-unterstützter digitaler Workspace. 

Strategische Neuausrichtung: Mit der neuen Unternehmensstrategie ‚Solutions 2030‘ setzte das Unternehmen Ende 2024 klare Business-Schwerpunkte. Die Kommunikation musste ihre Themen entsprechend anpassen und schärfen.

Vom Raum zum Modell: Der Newsroom sollte nicht länger einfach einfach ein physischer Ort sein, sondern eine Denkhaltung repräsentieren. „Das Operating Model macht Zusammenhänge und Zuständigkeiten sichtbar und vereinfacht so Entscheidungen sowie die Umsetzung“, so Blum.

Das Vorgehen: Safe enough to try

Der Relaunch wurde in drei Pakete gegliedert: themenzentrierte Arbeit, Rollenschärfung sowie Abläufe und Prozesse. Für das Projekt hat sich ein kleines Team mit je einer Vertretung der Bereiche von Group Communication unter der Leitung von Michael Blum gebildet, das von Dr. Nadine Stutz von empower digital unterstützt wurde. Die Strategie: schnelle Entwicklung, Umsetzung, sobald safe enough to try.

Der Zeitplan:

  • Anfang 2025: Konzeptphase bis zu den Sommerferien
  • Ab Sommer 2025: Umsetzung begleitet von Schulungen
  • Januar 2026: Start des neuen Modells
  • Ab April 2026: Review und Justierung nach der Jahresmedienkonferenz im März

Transparenz im Projekt war mir sehr wichtig“, so Blum. Das geschah unter anderem durch regelmässige Informationen an Team-Veranstaltungen und zwei Blick-in-die-Werkstatt-Terminen. Ausserdem wurde eine Begleitgruppe eingesetzt, mit Vertreterinnen und Vertretern assoziierter Teams wie HR, Employer Branding sowie den Kommunikationsleiterinnen und -leitern der Geschäftsbereiche. 

Fokus schaffen mit strategischen Themen

Die BKW spricht zwar nicht von einem Themenhaus, arbeitet aber klar themenzentriert. Ausgangspunkt sind vier strategische Schwerpunkte, die direkt aus der Strategie Solutions 2030 abgeleitet wurden:

  • Lebenswerte Lebensräume gestalten
  • Energiewende vorantreiben
  • Zukunftsfähige Gebäude und Infrastrukturen gestalten
  • Die BKW weiterbringen

Diese Schwerpunkte werden durch Subthemen und Dossiers konkretisiert. Entscheidend ist die Einführung einer A-B-C-D-Logik nach dem Modell der SBB. A- und B-Themen werden im Weekly gesteuert, C-Themen liegen in der Verantwortung der Channel-Manager und D-Themen werden ausschliesslich auf Ebene der Geschäftsbereiche ausgespielt.

BKW Newsroom Operating Model mit den verankerten strategischen Themen

Wichtig ist die Verankerung im Operating Model. Die Themensteuerung ist kein loses Planungsinstrument, sondern Teil der täglichen Arbeit. Strategische Themen und Quartalsschwerpunkte werden aktiv geplant und priorisiert. Eine zentrale Herausforderung war und ist das gemeinsame Verständnis dafür. Schulungen für Themen- und Channel-Manager fanden Ende November 2025 statt, weitere folgen voraussichtlich im Frühling 2026.

Der Mehrwert zeigt sich im Alltag. So werden Themen nicht mehr primär aus Einzelanfragen heraus entwickelt, sondern gemeinsam bewertet, weitergedacht und mit externen Anlässen verknüpft. Ein Beispiel ist der Fokus auf Gebäudetechnik und Sanierung. Auslöser hierfür war die Abstimmung in der Schweiz zur Abschaffung des Eigenmietwerts. Das Thema wird im Rahmen des Schwerpunkts ‚Zukunftsfähige Gebäude und Infrastrukturen gestalten‘, aufgearbeitet.

Rollen: Verantwortung sichtbar machen

Ein zweiter zentraler Hebel war die klare Schärfung der Rollen und Gremien

Als Strategie-Team im Sinne des Newsroom-Modells steuert das COM-Board unter der Leitung von Martin Schweikert, Chief Communications Officer der BKW, mit Vertreterinnen und Vertretern aller Bereiche die strategischen Themen und legt z.B. auch die Quartals-Schwerpunkte fest.

Für das Jahr 2026 wurden alle relevanten Rollen geschärft und mit klaren AKV (Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortung) hinterlegt. Dazu gehören unter anderem:

  • Themenmanagerinnen und -manager, die Schwerpunktthemen sowie Rubriken bewirtschaften
  • Production Manager
  • Channel-Manager
  • Leitung Newsroom
  • Newsroom-Manager

Besonders deutlich wird der Wandel bei den Themenmanagerinnen und -managern. Während die Arbeit früher stark auftragsorientiert war, erfolgt sie heute im Tandem mit den Businesspartnern. Themen werden gemeinsam evaluiert, weiterentwickelt und strategisch eingeordnet. Alle Rollenbeschreibungen sind transparent in Notion abgelegt und für das Team jederzeit einsehbar.

Die klare Definition und Dokumentation aller Rollen sorgt für Klarheit im Team und erleichtert die Zusammenarbeit erheblich.

Abläufe und Prozesse: Notion als Rückgrat

Der dritte Baustein des Relaunches betrifft die Abläufe inklusive der Konferenzen. Notion ist das zentrale Tool für die Themensteuerung. Ein Dashboard mit den A-Themen dient dem Managementteam als Übersicht. Für jede Story gibt es ein strukturiertes Briefing, das als Basis für alle Schritte im Newsroom gilt. Dieses Briefing bildet auch die Grundlage für Freigaben im Weekly sowie für die Aufträge an das Production Desk. Danach erfolgt über eine Schnittstelle die Feinplanung (Kanäle/Zeitpunkt) im Redaktionstool Uhub.

Die Konferenzen im BKW Newsroom ergänzen sich vom strategischen Steuerungsgremium über das Weekly Themen-Tandem bis zum COM Weekly.

Das Weekly hat sich inhaltlich stark verändert. Während früher vorwiegend Brainstorming stattfand, werden heute vorbereitete Themen mit Ziel, Storyline und Relevanz vorgestellt. Das erfordert Disziplin und Vorbereitung, wird aber als qualitativer Fortschritt erlebt. Das Daily dient der operativen Abstimmung und der laufenden Umsetzung. Eine gute Vorbereitung macht Meetings effizienter und zielgerichteter.

Die Feinplanung erfolgt in der wöchentlichen Synchronisierung sowie in der Anbindung an bestehende Planungstools. Entscheidend ist, dass die Abläufe keinen Selbstzweck darstellen, sondern Orientierung bieten und Freiräume schaffen.

Learnings für andere Newsrooms

Der Werkstattbericht zum BKW-Newsroom macht einige zentrale Erfolgsfaktoren deutlich:

Dokumentation ist der Schlüssel: Ein Handbuch in Notion mit allen Rollen, Prozessen und Themen schafft Transparenz und ermöglicht ein konsistentes Onboarding.

Safe enough to try: Nicht alles muss perfekt sein. Schnelle Iterationen in kleinen Teams ermöglichen Lernen und Anpassungen.

Schulung und Vermittlung sind entscheidend, denn die beste Struktur nützt nichts, wenn das Team sie nicht versteht. Kontinuierliche Schulungen sind daher essenziell.

Strategische Themenarbeit: Der Wandel von auftragsorientierten zu strategisch-proaktiven Themenmanagern zeigt, wie sich die Rolle der Kommunikation vom Dienstleister zum strategischen Partner verändert.

Vom Raum zur Denkhaltung: Ein Newsroom ist mehr als ein physischer Ort, er ist eine Denkhaltung, und das Operating Model macht Zusammenhänge sichtbar.

Der Relaunch des BKW-Newsrooms zeigt, wie sich eine gewachsene Struktur an neue strategische Anforderungen anpassen lässt. Dies gelang durch einen klaren Projektplan, eine pragmatische Umsetzung und die konsequente Nutzung von Notion als zentraler Wissensplattform. Ein Review im April 2026 wird zeigen, wo noch nachjustiert werden muss: ganz im Sinne von ’safe enough to try‘.

Danke für den Erfahrungsaustausch

Michael Blum hat bereits früher in diesem Blog sein Wissen und seine Erfahrungen geteilt:

Für diese Offenheit und die Zeit, die er und sein Team sich für den aktuellen Beitrag genommen haben, verdienen sie ein grosses Dankeschön. Kommunikation verändert sich gerade im Schnellzugtempo. Umso wichtiger ist es, den Erfahrungsaustausch zu pflegen.

Auch ich lerne aus jedem Gespräch. Möchten Sie Ihre Erfahrungen zum strategischen Themenmanagement und zum Corporate Newsroom teilen? Dann melden Sie sich gerne bei mir. Ich freue mich!

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