Sechste Befragung zur Nutzung von Social Media in der Schweiz

Wie nutzen Schweizer das Internet vor dem Kauf? Welche Social Networks sind hoch im Kurs und wie steht es hierzulande um die Blogosphäre? Bereits zum sechsten Mal hat die Agentur Xeit ihre Online-Befragung zu Social Media in der Schweiz  wiederholt.

900 Personen, 56 % Frauen und 44 % Männer, haben im Februar/März 2015 den Fragebogen ausgefüllt. Die Gruppe ist nicht gross, die Streuung der Teilnehmer in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildungsniveau und Haushalseinkommen kommt jener der Schweizer Wohnbevölkerung jedoch nahe. Logischerweise nimmt bei einer Online-Befragung eher ein Web-affines Publikum teil, wobei die Internet-Nutzung hierzulande 2014 mittlerweile 85 % erreicht hat. Im europäischen Vergleich belegt die Schweiz damit den dritten Rang nach Island und Dänemark. (Eurostat, MaNet: NetMetrix-Base).

Xeit hat mir den Bericht zur Befragung zur Verfügung gestellt aus dem ich hier die wesentlichen Befunde zusammenfasse:

Zentrale Nutzung

Nach Informationen suchen ist eine der zentralen Nutzungen: 84 % der Befragten tun das täglich mit einem mobilen Gerät, am Arbeitsplatz sind das zwei Drittel und zu Hause werden Google & Co. von der überwiegenden Mehrheit lediglich einmal pro Woche in Anspruch genommen. Die Informationssuche unterwegs bedeutet für Unternehmen, dass sie ihre Seiten nicht nur mobil optimieren sollten, sondern auch darauf achten, dass lokal relevante Informationen wie Adresse und Öffnungszeiten leicht gefunden werden können.

Bevor sie etwas kaufen informieren sich 61 % der Befragten immer oder oft online. Unternehmen, die nicht gefunden werden, kommen nicht in die Wahl. Ein starkes Online-Profil mit einer aktuellen Website und die Sichtbarkeit an verschiedenen Touch Points sind zum Wettbewerbs-Faktor geworden. Für den Kaufentscheid sind «User-generierte» Meinungen wie Blogposts oder Einträge auf Bewertungsplattformen zentral, 67 % der Umfrageteilnehmer wurden davon schon bei einem Kaufentscheid beeinflusst.

abbildung_6_someWas tun die Menschen, die in Bus und Tram gebannt auf ihr Gerät starren darauf eigentlich? (Abb. 6). Sie setzen Meldungen ab (Status Updates), teilen Fotos und schauen Online-Videos (das erklärt teilweise die vielen Stöpsel in den Ohren). Leider geht hier die Befragung nicht weiter. Ich denke, dass weitere Nutzungen wie E-Mails abfragen, News konsumieren und Musik hören ebenfalls einen wesentlichen Anteil  ausmachen.

QR-Code und iBeacon

Der QR-Code als Verbindung von analog zu digital vermag sich nicht durchzusetzen. Wenn er überhaupt je gescannt wird, dann am ehesten ab Produkten (45 %) oder von Flyern (42 %).

Verschiedene stationäre Detailhändler experimentieren mit iBeacon. Die von Apple entwickelte Bluetooth-Anwendung dient dem Tracking und der Indoor-Navigation und eröffnet enorme Chancen, Kunden mit standortabhängigen Angeboten zu erreichen. Das funktioniert jedoch nur, wenn Bluetooth auf den Geräten eingeschaltet ist. Die Befragung zeigt, dass dies nur unregelmässig geschieht. Die Hälfte der Befragten schaltet gezielt für eine Anwendung ein, 34 % tun das nie und nur 17 % haben Bluetooth, das ja zum Beispiel auch das Telefon mit der Freisprechanlage im Auto verbindet, permanent in Betrieb.

Die Rolle von Blogs

Die Schweiz hat auch im vergangenen Jahr Blogschreiber dazugewonnen. 17 % der Befragten führen selber einen Blog (+5 %), etwas über 20 % haben ihn innerhalb der letzten sechs Monaten gestartet, immerhin um die 15 % bloggen bereits länger als sechs Jahre. Nicht-Blogger argumentieren, dass sie nichts Interessantes zu schreiben oder keine Zeit haben. WordPress hat als CMS seine Position weiter ausgebaut, 37 % der Nutzer kümmern sich selber um das Hosting der Seite, 32 % bloggen direkt auf wordpress.com. Googles blogger.com hat weiter Anteile eingebüsst und liegt jetzt bei 16 %, 13 % nutzen tumblr.

Blogs werden tendenziell in der Freizeit konsumiert, nur ein kleiner Teil liest auch am Arbeitsplatz. Xeit schränkt dazu aber zu Recht ein, dass sich viele Leser nicht immer bewusst sind, dass sie im Internet gerade einen Blog lesen. «Oft ist die gestalterische Entwicklung sehr ähnlich wie jene von Websites, wodurch die Abgrenzung schwieriger wird.» Egal ob man die aktuelle Präsenz Corporate Blog, Online Magazin oder schlicht Website nennt: Für Unternehmen zahlt es ich aus, regelmässig nützlichen Content anzubieten um im Gespräch zu bleiben und ihre Anspruchsgruppen zu erreichen.

Soziale Netzwerke sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Mehr als die Hälfte nutzt sie zu Hause mehrmals am Tag, am Arbeitsplatz lässt jeder Fünfte der Befragten die Finger davon. Privat- und Berufsleben vermischen sich, zudem erfüllen soziale Medien nicht nur private Zwecke: Jeder Zweite nutzt sie auch am Arbeitsplatz täglich oder mehrmals Täglich.

Mainstream-Plattformen

Allen Unkenrufen zum Trotz: Facebook ist nicht tot und ist noch immer das am intensivsten genutzte Netzwerk. Den zweiten Rang bei der regelmässigen Nutzung belegt die Bilder-Sharing-Community Instagram mit 27 %. Für mich überraschend: Twitter und Google+ werden im gleichen Mass regelmässig genutzt. (Abb. 17). Google+ nehme ich schon länger nicht mehr als relevantes Netzwerk wahr, was mir auch eine ad hoc-Umfrage in meinem Umkreis bestätigt hat.

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Bei den Business-Netzwerken hat LinkedIn gegenüber dem Vorjahr satte 14 % gut gemacht. Xing und LinkedIn werden beinahe gleich häufig genutzt wobei viele User auf beiden Plattformen ein Profil betreiben.

Facebook hat auch 2015 das grösste Potenzial für Social Media Marketing. 74 % der Befragten folgen einem oder mehreren Unternehmen auf Facebook, was einer Zunahme von 15 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. 30 % folgen Unternehmen auf YouTube (+8 %) oder Twitter (+13 %). Instagram ist noch nicht ganz angekommen und liegt bei einem Anteil von etwas unter 30 %, verzeichnet aber mit 16 % die grösste Zunahme von allen Netzwerken gegenüber Vorjahr.

Follow- und Like-Magneten sind Medien (ca. 75 % ), Unternehmen (ca. 65 %) und Marken (ca. 55 %). Erwartet werden unterhaltsame Beiträge, Informationen zu Unternehmen und Marke sowie Informationen zu Themen, welche das Unternehmen oder die Marke betreffen.

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Die Abwesenden

Auch 2015 gibt es noch Menschen, welche die Finger von sozialen Netzwerken lassen. Spannend ist die Verlagerung der Gründe. Noch 2014 war das Hauptargument: «Es gab bisher noch keinen konkreten Anlass, ich könnte mir aber vorstellen, in Zukunft solche Portale  zu nutzen.» Mit dieser doch relativ offenen Haltung ist es 2015 vorbei. Die verbliebenen Nicht-Nutzer bleiben standhaft: «Ich verspreche mir keinen beruflichen oder privaten Nutzen davon.»

Xeit hat auf ihrer Seite übrigens ein ausführliches Glossar mit Begriffserläuterungen online gestellt.

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