Zu Besuch im Newsroom des Katholischen Medienzentrums im Gespräch mit Charles Martig

Dr. Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums in der St. Franziskus Lounge

Der Newsroom des Katholischen Medienzentrums in Zürich-West ist hell. Und er ist farbig. Aber wie schon bei der Arbeit der Redaktion sind auch die Farben  nicht dem Zufall überlassen. Spektakulär ist die Ausstattung nicht, aber umso bemerkenswerter, was das 14köpfige Team in Zürich leistet. Dr. Charles Martig, Theologe, Medienwissenschafter und Direktor des Katholischen Medienzentrums, hat mich durch die Räume geführt und mir den Newsroom erklärt.

Du stehst dem Katholischen Medienzentrum vor. Was seid ihr: Die PR-Abteilung der Katholischen Kirche in der Schweiz oder ein Medienhaus?

Vom Konzept her sind wir ein Medienhaus, sehen uns aber in erster Linie als Vermittler zwischen Kirche und Medien. Auf der einen Seite verarbeiten wir News zu Religion, Politik und Gesellschaft und spielen diese auf verschiedene Kanäle aus. Wir setzen Themen und publizieren Kommentare und Meinungen nach journalistischen Kriterien. Andererseits unterstützen wir Kampagnen und Informationsbedürfnisse der Kirche. Wir arbeiten also so gesehen permanent in beide Richtungen.

PR für die Kirche machen wir nicht. Die Bistümer, jede grössere Kantonalkirche und die Bischofskonferenz haben eigene Mediensprecher und Kommunkationsstellen.

Als eigenständiger Verein sind wir zudem redaktionell unabhängig, wir werden darum als glaubwürdig in der Medienöffentlichkeit wahrgenommen. Die Bischofskonferenz und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz geben uns den Auftrag, die Medienarbeit für die Katholische Kirche in der Deutschschweiz zu koordinieren und verlässliche Informationen zu Religion, Politik und Gesellschaft auf kath.ch zu publizieren.

Machen euch eure Auftraggeber Vorgaben?

Es gibt ein Rahmenstatut, darin sind die Kriterien für unsere Arbeit verankert. Stichworte dazu sind Authentizität, Glaubwürdigkeit und journalistisches Arbeiten. Dann sind im Redaktionsstatut die Arbeitsweise und die Unabhängigkeit der Redaktion festgelegt. Wir orientieren uns an den Regeln des Presserats als Basis für unsere Journalistinnen und Journalisten.

Natürlich gibt es von den einzelnen Stakeholdern Erwartungen und Ansprüche, worüber und wie wir schreiben sollen, unser Hauptkriterium ist es jedoch zu wählen, was wir aus Sicht der User für relevant erachten. Die Katholische Kirche ist eine Weltkirche und das wird auch in unserem Themen-Mix sichtbar. Wir berichten zu zwei Dritteln aus der Schweiz, ein Drittel unserer Inhalte beziehen sich auf die Weltkirche und den Vatikan.

Kannst du mir euren Newsroom beschreiben? Wie seid ihr organisiert

Der Newsroom als Raum ist ausgehend vom Workflow in Arbeitsinseln unterteilt. Direkt neben der Videowall ist die News-Insel, die auf das Tagesgeschäft ausgerichtet ist. Hier arbeiten permanent vier Personen zusammen. Eine Person hat die Tages-/Teamverantwortung, eine zweite Person recherchiert Themen und Beiträge Eine weitere Person kümmert sich um das Monitoring und behält die Berichterstattung zu unserem Themenfokus Religion, Politik und Gesellschaft in den Schweizer Medien im Auge. Diese unterstützt auch die Auswahl und Bearbeitung von Bildern. Die vierte Person ist die Social-Media-Managerin, die das Community Management auf Facebook und Twitter übernimmt. Zudem betreiben wir Kanäle auf YouTube und Instagram, die mit Content bespielt werden.

Die grosse Herausforderung ist es, mit diesem kleinen Team von 11 Vollzeitstellen einen 365-Tage-Dienst aufrecht zu erhalten. Wir publizieren jeden Tag; so sind am Samstag und Sonntag immer mindestens zwei Leute an der Arbeit. Das muss so sein, denn diewichtigen Events in der Katholischen Kirche finden vor allem an Wochenenden und Feiertagen statt.

… ihr könntet doch am Montag frei machen, wie die Pfarrer auch? …

Ja, das könnte man meinen (schmunzelt). Der Sonntag ist in der Katholischen Kirche der wichtigste Tag, doch Social Media und Web laufen an sieben Tagen die Woche. Der Montag ist bei uns zudem der Tag, an dem wir die Woche eröffnen und die ganze Produktion hochfahren; die Redaktion trifft sich für die Wochenplanung. Wir sind also neben den Inhalten permanent  mit Themenplanung und Kanalverantwortung beschäftigt. Es ist wichtig, dass wir zwischen der Auslastung des Teams und der Kompensation eine gute Balance finden.

Wer bestimmt bei euch, was auf die Agenda kommt? Wie setzt ihr Themen?
Über 50% aller Zugriffe auf kath.ch kommen von mobilen Geräten, dafür ist hier die Absprungrate höher wie vom Desktop. Das fordert uns in der Content-Aufbereitung.

Die thematische Planung läuft über die Redaktionsleitung. Diese setzt sich zusammen aus der Redaktionsleiterin (Silvia Stam), ihrer Stellvertreterin (Regula Pfeiffer) und mir. Meine Aufgabe als Direktor ist es, thematisch bei den grösseren Linien zu unterstützen. Mein Schwerpunkt liegt auf theologischen Themen, Medienthemen und der publizistischen Haltung von kath.ch.

Wir planen im Wochen- und Monatsrhythmus. Für das Tagesgeschäft haben wir von Montag bis Freitag um 9.15 Uhr eine Eröffnung am roten Tisch. Wir besprechen das Feedback und die Themen vom Vortag; dann folgen die Schwerpunkte für den Tag, wobei sich die Gewichtung im Laufe des Tages je nach News-Lage verschieben kann.

Am Nachmittag kommen dann nochmals zahlreiche Meldungen rein von unseren Partneragenturen und aus unserem Büro im Vatikan, wo wir gemeinsam mit unseren Partnern Katholische Nachrichtenagentur (KNA Deutschland) und Kathpress (Wien) drei Personen beschäftigen. Es handelt sich also um unsere «Vatikan-Insider», die uns Geschichten aus Rom zuliefern.

Ich merke bei vielen Unternehmen eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einer täglichen Abstimmung, weil befürchtet wird, dass sie zu viel Kapazität bindet …

Unsere Vorgabe ist eine halbe Stunde und daran halten wir uns auch. Für uns ist es entscheidend, dass wir uns diese Zeit nehmen. Die Eröffnung ist der Sammelort an dem wir auf die letzten 24 Stunden zurückschauen und auswerten. Dann korrigieren wir bei Bedarf nach unseren Qualitäts-Sicherungsstandards nach. Bei wichtigen und gut laufenden Beiträgen entscheiden wir, ob wir eine Nachfolgegeschichte machen.

Für den Rückblick nehmen wir uns fünf bis zehn Minuten Zeit. Die anderen 20 Minuten setzen wir für die Planung des Tages ein. Die Sitzung muss also sehr gut organisiert sein. Die Tagesverantwortliche wechselt jeden Tag: In dieser Rolle muss man mit den Leuten im Newsroom sehr gezielt arbeiten, sonst kommt man zu nichts.

Mit welchem Tool arbeitet ihr?

Wir arbeiten für die Themenplanung mit Trello, über dieses Tool können wir laufend Themen planen und abarbeiten. Thematisch wird das Tool über die Redaktionsleitung gesteuert. Es haben aber immer alle Zugriff auf den Stand der Planung, dank der App auch mobil. Wenn wir also den Tag beginnen, wissen wir schon sehr gut, was am jeweiligen Tag ansteht. Es geht dann darum, das Material aus Sicht der Nachrichtenlage und der Relevanz zu  strukturieren. Hinzu nehmen wir dann tagesaktuell das Material aus dem Medienspiegel von kath.ch, der schon am Morgen ab 6.30 Uhr aufgearbeitet wird.

Bei Trello arbeitet man mit Boards, wie habt ihr sie aufgeteilt?
Trello Kalenderansicht

Wir führen das Redaktionsboard bei Trello mit einer Tagesspalte, einer Themenspalte und einer Terminspalte. Zudem gibt es für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter im Newsroom eine eigene Liste. Wenn wir Aufträge vergeben, verschieben wir die entsprechende Karte gleich zur jeweiligen Redaktorin. So sehen wir auch gleich, wer wie stark ausgelastet ist und wer an welchen Themen arbeitet. Trello dient uns auch dazu, die Social-Media-Kanäle, das Marketing, den Technischen Dienst und die Geschäftsleitung zu organisieren. Es hat sich als Kollaborationsinstrument bewährt.

Wen wollt ihr ansprechen und wer sind eure Leserinnen und Leser?

Wir sind sowohl B2B wie B2C unterwegs und für beide Gruppen haben wir eigene Geschäftsmodelle. In B2B haben wir zwei Stakeholder-Gruppen: Redaktionen und kirchliche Institutionen.

  • Wir bieten eine Newsdienstleistung im Bezahl-Abo an, in dem auch die Abdruckrechte und Internetverwertung mit eingeschlossen sind. Aktuell sind hier rund 35 Medien-Redaktionen angeschlossen. Wir verstehen uns aber nicht als Agentur sondern wir sind eine «Multi-Sided-Plattform». Damit waren wir 2015 ein Novum in der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum.
    Die grossen Reichweiten machen wir, wenn unsere Beiträge in Printmedien aufgenommen werden. Allein die Pfarrblätter und Kirchenzeitungen erreichen miteinander eine Auflage von gegen einer Million.
    Wir produzieren zudem auch alle zwei Wochen eine vierseitige Newsbeilage kath.ch in der Schweizerischen Katholischen Kirchenzeitung, dem Amtsblatt der Bistümer in der deutschen Schweiz.
  • Dann bedienen wir im B2B-Bereich auch kirchliche Institutionen wie die Kantonalkirchen, Hilfswerke, weitere Organisationen in der Katholischen Kirche aber auch andere Glaubensrichtungen und interreligiöse Organisationen. Diese haben bei uns Abos als Leser, teils speisen sie Beiträge auch direkt in ihre Intranets, wie das zum Beispiel das Fastenopfer tut.
Nach drei Jahren ist unsere Website bereits veraltet. Wir planen den Relaunch für 2019. Wir sind gefordert, immer wieder etwas Neues zu bieten.

Unsere Internetaktivität haben wir primär im B2C angesiedelt, und auch diesen Bereich haben wir segmentiert.

  • Seit den 90er Jahren bedienen wir kirchliche Mitarbeitende und Freiwillige mit relevanten Informationen.
  • Die zweite Ziel-Segment sind die Konfessionslosen. Ein Viertel unserer säkularen Gesellschaft ist nicht mehr mit einer Kirche verbunden. Viele davon sind aus den katholischen oder den reformierten Landeskirchen ausgetreten. Diese Gruppe wächst stark. Wir sprechen Menschen an, die sich, obschon sie schon lange keine Kirche mehr von innen gesehen haben, stark mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Für diese Gruppe, also zum Beispiel für Freidenker, Agnostiker und Atheisten, arbeiten wir Themen aus und sie sind immer sehr schnell für eine Diskussion in den Sozialen Medien zur Stelle.
  • Die dritte Gruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 29 Jahren. Heute erreichen wir mit kath.ch Erwachsene ab 30 bis ungefähr 65 bis 70 Jahre.
Die Jugendlichen erreicht ihr also noch nicht so richtig, was macht ihr für sie?

Ja, absolut, und das ist der Grund, warum wir an einem Programm für Jugendliche arbeiten. Seit März läuft ein grösseres Projekt, mit dem wir über YouTube katholisches Video-Blogging aufbauen. Wir steigen hier also über das Format und den Kanal ein, weil wir aus der James-Studie wissen, dass wir hier die Vorlieben der Jugendlichen treffen. Mit einem Wettbewerb suchen wir in den Jugendverbänden und bei den Ministranten nach Talenten. Dafür haben wir eine eigene Seite aufgebaut, welche auch in Bezug auf Gestaltung und Inhalte auf junge Menschen zugeschnitten ist. Auf underkath.ch schaffen wir Raum für eine YouTube-Community, die ihre Videos zwar auf YouTube veröffentlicht, sich hier aber vernetzen kann.  Auf dieser Seite und bei Anlässen lernen Jugendliche, wie man Videos macht, wie sie sich selber darstellen können. Das ganze natürlich auch immer verbunden mit einer Orientierung an Werten, welche die Katholische Kirche ausmachen.

Dieser Aufbau steht auch im Kontext mit der weltweiten Jugend-Synode, die im Oktober in Rom stattfinden wird. «Jugend» ist also dieses Jahr in der Kirche weltweit ein Thema. Wir nutzen es, um mit und für Junge innovative Projekte aufzuziehen.

Zielgruppen, zumindest online, lassen sich nicht mehr demographisch fassen, sondern über gemeinsame Interessen. Um welche Themen gruppieren sich Communities?

Dem ist so. Ein grosses Thema ist sicher die Schweizer Garde. Ihr Thema ist die Nachwuchsförderung und so gesehen bleiben sie im Gespräch. Dann gibt es eine Glocken-Community: Wir haben einmal eine fünfteilige Serie mit Glocken-Videos gemacht. Diese ist auf grossen Anklang gestossen und wurde auch sehr rege geteilt. Wir wussten schon von Radio SRF2, dass es diese Glocken-Community gibt, weil der Sender jeden Samstagabend um 17.30h Uhr den Sonntag einläutet.

… also so die Trainspotter der Kirche? …

ja, genau (lacht). Und sie interessieren sich auch für Kirchtürme und die Glockenproduktion. Wir haben also die Bedürfnisse nicht nur erkannt, sondern befriedigen sie auch.

Welche weiteren Themen gibt es noch?

Heilige der Schweiz ist ein weiteres Thema, das auf sehr grosses Interesse stösst. Es gibt viele Heilige, die auch regional verehrt werden. Dieses Thema haben wir schon vor bald 10 Jahren aufbereitet. Vor einem Jahr haben wir es auf einer eigenen, modernen Website neu lanciert mit Erklärvideos, Portraits usw. Und plötzlich haben sich Sponsoren gemeldet, oder Leute, die am Thema mitarbeiten möchten. Es gibt also ein grosses Grundinteresse und in der Schweizer Bevölkerung eine starke Affinität. Das Thema hat auch zu tun mit Kraftorten, mit regionaler Identität, beides löst eine starke Resonanz und Interaktion aus.

Spannend, dürfen Kirchgemeinden dieses Material, also zum Beispiel Glocken oder Heilige, für ihre eigene Kommunikation verwenden?

Nicht ohne weiteres, weil wir ja die Urheberrechte beachten müssen. Sie sollen einfach mit uns Kontakt aufnehmen und dann schauen wir uns gemeinsam die Bedürfnisse an.

Ihr kommuniziert in drei Sprachen in den Regionen, wie geht ihr damit um? Wie koordiniert ihr euch?

Es gibt drei verschiedene Medienzentren in Zürich, Lausanne und Lugano, die als eigenständige Vereine organisiert sind. Die Kulturen sind sehr unterschiedlich und entsprechend ist eine regionale Autonomie wichtig. Wir koordinieren uns aber über eine gemeinsame Direktoren-Konferenz, aber auch auf operativer Ebene, d.h. in der direkten journalistischen Zusammenarbeit.

Messt ihr eure Resultate und was bedeutet für euch Erfolg?

Wir haben drei Reportings aufgebaut:

  • Halbjährig berichten wir dem Auftraggeber über die Resultate aller Kanäle, also dem Web, Social Media bis zu den Abdrucken in den Print-Medien
  • Monatlich schauen wir uns die Resultate aus Google Analytics im Medienzentrum an.
  • Täglich schauen wir in der Redaktion auf die Ergebnisse der einzelnen News und auf die Interaktionen in den Sozialen Medien

Daraus wird schon sichtbar, dass es für jeden Report unterschiedliche Zugänge gibt. Wir bauen für die Ausgangsdaten auf allgemein verfügbare Tools wie Google Analytics, Twitter Analytics, Statistiken aus Facebook und YouTube. Wir haben mit dem Leiter Marketing aber eine verantwortliche Person, welche diese Zahlen analysiert, vergleicht und zeitnah auf Ausreisser aufmerksam macht.

Vor drei Jahren seid ihr umgezogen, heute habt ihr den Newsroom in Zürich West. Was hat dieser Umzug bewirkt?

Der alte Ort bestand aus kleinräumigen Wohnungen, wo wir Einzelbüros eingerichtet hatten. Im grössten Raum hatten wir in den ersten sechs Monaten die Mitarbeitenden in einem Newsroom auf engstem Raum zusammengepfercht. Damit waren wir klar am Limit.

Den neuen Newsroom haben wir ausgehend von unseren Arbeitsprozessen ausgelegt. Dass wir nach dem Umzug alle zusammen in einem Raum mit mehr Platz arbeiten konnten, hat sehr geholfen. Wir hatten übrigens einen Senkrechtstart: Am 3. Januar 2015 haben wir unseren Betrieb am neuen Ort aufgenommen und drei Tage später kam «Charly Hebdo». Das war eine Feuertaufe, weil dieser tragische Anschlag ja sehr eng mit Religion verknüpft ist. Wir waren also schon innert der ersten Tage auf Höchstgeschwindigkeit.

Wie hat der Newsroom eure Arbeit verändert?

Wir sind näher beisammen, die Leute hören ständig voneinander, welche Themen in Arbeit sind, sie können sich sehr leicht austauschen. Das hat aber auch eine Kehrseite. So war es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, immer alles zu hören, was verhandelt wird. Dann kamen aber auch Alltagsfragen, die wir lösen mussten von «Wie nutzt man das Mobiltelefon im Newsroom?» bis «Wie schafft man Rückzugsmöglichkeiten?». Manche Arbeiten verlangen eine höhere Konzentration, zum Beispiel Telefoninterviews. Darum haben wir nachträglich noch Sitzungszimmer eingebaut, wie hier mit der Franziskus Lounge oder nebenan die Jeanne D’Arc, und so Rückzugsmöglichkeiten für ruhiges Arbeiten geschaffen.

Mir fällt auf, dass der Newsroom in verschiedenen Farben gehalten ist, habt ihr sie in Anlehnung an die liturgischen Farben gewählt?

Ja, das ist in der Tat so, denn in kirchlichen Institutionen haben liturgische Farben eine besondere Bedeutung, hier in unseren Räumen in Zürich-West gibt es vier davon:

  • Rot steht für die Farbe des Blutes sowie des Feuers und ist Sinnbild des Heiligen Geistes, wird zu Pfingsten, am Palmsonntag, Karfreitag und an den Festen der Märtyrer getragen. Sie wird umgesetzt am Konferenztisch im Newsroom.
  • Grün steht für die Alltagsfarbe in der Liturgie, steht für Hoffnung und das sich erneuernde Leben. Sie findet sich wieder in der Empfangsnische.
  • Violett ist Sinnbild der Verwandlung und wird als Farbe in der Fastenzeit und im Advent getragen. Sie wird auf dem Bodenbelag verwendet.
  • Weiss ist die Farbe der Hochfeste in der Kirche, wie Weihnachten oder Ostern, und findet sich auf den Aussenwänden und Deckensegeln.
Seid ihr im kirchlichen Umfeld Exoten oder macht euer Modell Praxis?

In der Schweiz sind wir einmalig und wir bekommen immer wieder Besuch. So sind die Kollegen aus Köln zu uns gekommen. Köln ist das grösste Bistum in Deutschland:  sie wollten wissen, wie wir organisiert sind und wie wir zusammenarbeiten, dafür haben sie uns einen Tag besucht. Inzwischen haben sie ihren eigenen Corporate-Newsroom eröffnet.

In verschiedenen grösseren katholischen Einheiten läuft im Moment ein ähnlicher Prozess, wie wir ihn durchlaufen haben. Erst vor drei Jahren fand im Vatikan eine grosse Reorganisation der Medien statt. Damals hat man Radio Vatikan, Fernsehen Vatikan und den Pressesaal zu einer Kommunikations-Abteilung zusammengezogen. Wir sind mit den Kollegen in regelmässigem Austausch. Heute produzieren sie unter dem Label «Vaticannews». DieseWebsite ist als Hub ebenso eine Multi-Sided Plattform, wie wir sie bei uns betreiben.

Welchen Ratschlag gibst du einer Organisation weiter, die einen Newsroom starten will?

«Form follows function»: Man sollte grundsätzlich überlegen, welche Arbeitsabläufe geplant sind und erst daraus den Newsroom entwickeln. Also nicht von einem eingerichteten Raum ausgehen und versuchen, darin das abzubilden, was man tun will. Wir konnten unseren Newsroom innenarchitektonisch vollständig nach unseren Bedürfnissen planen und aufbauen.

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